Was die Kirchenbücher erzählen

Kirchenbücher sind die wichtigste Quelle für Familienforschung, sie verzeichnen Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmationen.

Nun kann man nicht einfach in die Pfarrämter gehen und in den alten Büchern der Kirchengemeinden blättern, dafür sind sie zu wertvoll und die meisten im Landeskirchlichen Archiv aufbewahrt. Doch viel bequemer kann man vom heimischen Sofa aus darin blättern. Neben einem Internetanschluss braucht man lediglich zum Beispiel einen 1-Monats-Pass des Kirchenbuchportals Archion für 19,90 €. www.archion.de

Die evangelische Kirchenbücher von Württemberg sind fast vollständig digitalisiert und stehen zur Verfügung. Jede Woche kommen neue Kirchenbücher aus ganz Deutschland dazu. Auch das Zentralarchiv in Berlin mit den 2000 Kirchenbücher aus Schlesien, Posen, Pommern, West-und Ostpreußen digitalisiert seine Kirchenbücher und präsentiert sie über das Portal Archion.

Wer seinen Vorfahren nachspüren will, braucht drei Informationen: den möglichst genauen Namen, den Ort in dessen Kirchenbüchern der Name wahrscheinlich steht und den ungefähren Zeitraum. Meine Großeltern haben 1910 in Aldingen geheiratet. Ich suche deshalb unter: Landeskirchliches Archiv Stuttgart > Dekanat Ludwigsburg > Aldingen am Neckar > Eheregister 1865-1934 Band 9. Dort finde ich im Jahr 1910 unter 3. den Namen des Bräutigams Karl Paul Volz und der Braut Wilhelmine Luise Buhl. In der zweiten Spalte stehen Angaben zum Beruf, Ort und Konfession. In der dritten Spalte sind die Angaben zu den Eltern des Brautpaares, hier kann ich erkennen, dass die Mutter der Braut bereits verstorben ist, ihr Vater und die Eltern des Bräutigams noch leben und es finden sich auch gleich die Verweise zum Familienregister. In der vierten Spalte wurde der Familienstand eingetragen. Es folgen Geburtstag- und Ort des Braupaares, das Datum des Zivilaktes (Standesamt), Proklamation und Ort und Zeit der Eheschließung und der Name des Pfarrers, der die Trauung gehalten hat. Ich kann diese Kirchenbuchseite oder einen Ausschnitt herunterladen und abspeichern oder auch ausdrucken. Der 1-Monats-Pass berechtigt zu 50 Downloads.

Ist man erst einmal fündig geworden, wird die Suche einfacher. Bei Kindstaufen findet man Angaben zu den Eltern und Taufpaten und bei Beerdigungen das genaue Alter des Verstorbenen, oft Todesursache, Beruf und Amt wie zum Beispiel, Schultheiß, Bürgermeister (Gemeindepfleger), Gerichtsverwandter, Heiligenpfleger.

So findet man das nächste Puzzleteil zu seinem Stammbaum und kann sich nach und nach bis ins 17. oder gar 16. Jahrhundert zurückarbeiten

Während in Aldingen die Kirchenbücher bis 1577 und in Neckargröningen bis 1581 zurückführen, wurden in anderen Kirchengemeinden im Dreißigjährigen Krieg (Zuffenhausen) und beim Franzoseneinfall 1693 (Hochberg, Marbach) Kirchenbücher zerstört und gingen für immer verloren. Hier können die danach angelegten Seelenregister und späteren Familienregister weiterführen. In ihnen sind neben Hausvater und Hausmutter auch deren Eltern eingetragen sowie alle Kinder dieser Familie.

Zu den alten Familien, die bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg in Aldingen gelebt haben, gehören die Familien Breckle (Brecklin, Bräcklin) 1592 aus Oßweil, Reichert (Reichardt) 1621 aus Waiblingen, Volz (Voltz) schon vor Beginn der Kirchenbücher 1577 in Aldingen. Andere alte Familien sind im Dreißigjährigen Krieg oder schon 1626 durch die Pest ausgestorben.

Den Dreißigjährigen Krieg überlebt haben der Fischer Michael Volz (1621-1692), seine Mutter Maria (1593-1654) und seine Schwester Maria Volz (1629-1703).

Maria Volz vermählte sich 1655 mit Johannes Brecklin (Bräcklin), Schultheiß (1629 – etwa 1687, Lücke im Totenregister) der den Krieg und die Seuchen ebenfalls überlebt hatte. Die Familien Breckle und Brekle in Aldingen und die Familie Bräckle in Neckargröningen gehen auf Johannes und Maria Brecklin zurück.

Ein Enkel von Michael Volz, Johann Georg Volz (1681-1752) war Fischer, wie einige Generationen Volz vor und nach ihm. Seine Nachkommen sind Anfang des 19.Jahrhunderts beinahe ausgestorben. Der letzte Fischer Volz, gestorben 1804, hatte aus zwei Ehen nur eine Tochter. Sein Bruder Johann Michael Volz, Weingärtner und Bauer, gestorben 1813, hatte aus drei Ehen einen Sohn, der das Erwachsenenalter erreicht hat. Die anderen Kinder waren Totgeburten oder sind im Kindesalter an Masern, Windpocken oder Keuchhusten gestorben. Durch den einzigen Nachkommen Georg Michael Volz, Bauer und Gemeinderat (1807-1885) wurde die Familie wieder zahlreich. Er hatte vier Söhne, die sogenannten „vier Stämme Volz“: Jakob Volz, Bauer und Schultheiß (1836-1918), Christian Volz, Bauer (1839-1918), Karl Volz, Bauer (1841-1920) und Gottlob Volz, Bauer (1844-1909). Sie haben durch ihre Söhne und Töchter, Enkelinnen und Enkel noch heute Nachkommen in Aldingen.

Michael Volz jüngster Enkel Johannes Volz (1693-1735) war Wagner in Aldingen. Sein Sohn Johannes Volz (1734-1791) war Schneider und hatte zwei Söhne: Michael Volz (1767-1846) war Weingärtner in Neckarrems, er ist der Stammvater der Neckarremser Volz. Johannes Volz (1766-1839) war wie der Vater Schneider, von ihm stammten durch seine Söhne Georg Caspar Volz (1799-1868), Webermeister und Jakob Friedrich Volz (1808-1860), Schneider,  einige Volz in Aldingen und auch in Neckargröningen ab.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind viele Auswärtige nach Aldingen gekommen. Ihr Herkunftsort ist bei der Eheschließung angegeben. Schäfer Hans Jakob Walker (Walcker) stammte aus „Hombrechtikon, Grüninger Amt, Züricher Gebiet“, Maurer Jakob Sonderecker (Sonderegger) aus Walzenhausen, Appenzell und Zimmermann Hieronymus Thumm aus Oberdorf am Ipf, Bäcker Johannes Buhl aus Ebersbach an der Fils, um nur einige zu nennen. Ihre Nachkommen leben noch heute in Aldingen.

Viel erzählen auch die Einträge im Totenregister. Über meinen Vorfahren Nisi in Neckargröningen hatte der Pfarrer 1817 geschrieben: „Ein alter kränklicher Bürger von hier, der sich noch im Alter scheiden ließ, es aber bald bereute.

Kirchenbücher sind in deutscher Schrift geschrieben. Das scheint zunächst schwierig, doch mit Übung kommt man bald voran oder man belegt einen Kurs zum Beispiel im Staatsarchiv Ludwigsburg. Im Internet lassen sich Schrifttafeln herunterladen, die beim Lesen hilfreich sein können.

Familienforschung ist spannend und manchmal auch Detektivarbeit. Es wäre schön, wenn sich auch junge Leute dafür begeistern könnten.

Gabriele Volz

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