Vorfreudig Wartend

Ich habe diese Woche schon ziemlich viel gewartet: ganz entspannt auf die Stadtbahn, genervt auf die Reparatur meines PC’s, sehnsüchtig und voller Vorfreude auf eine Tasse Kaffee am Morgen, leicht ungeduldig in der Schlange bei der Post und äußerst gespannt auf die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz zu den weiteren Corona-Eindämmungsmaßnahmen für die Advents- und Weihnachtszeit.

Durch diese verschiedenen Warte-Erlebnisse ist mir deutlich geworden, dass Warten gar nicht immer mit Zeitverlust und Langeweile einhergeht. Manchmal natürlich schon, aber eben nicht immer: Warten kann auch richtig schön sein. Nämlich dann, wenn ich beim Warten schon fast vor Vorfreude platze, weil das Erwartete so vielversprechend ist. Warten kann dann sogar richtig kreativ machen.

Und genau eine solche schöne und vielversprechende Wartezeit erwartet uns ab dem kommenden Sonntag. Dann, wenn wieder die 1. Kerze am Adventskranz brennt und schon bald das erste Türchen am Adventskalender aufgemacht wird. Der Advent erwartet uns, Pandemie hin oder her. Die Frage ist, was wir uns von ihm erwarten.

Klar ist, dass er anders wird als sonst: die besondere Atmosphäre der Weihnachtsmärkte wird fehlen. Die Vorfreude auf Adventsfeiern mit mehreren Menschen wird ebenfalls nicht erfüllt werden können. So richtig kann ich mir eine Advenstzeit ohne all das auch noch nicht vorstellen. Aber trotzdem bleibt der Advent eine vielversprechende Zeit, auf die ich mich freue und auf die wir alle uns freuen können.

Das Bibelwort, das traditionell über der 1. Adventswoche steht, ist ein Vers aus dem Sacharja-Buch und macht schon deutlich, dass sich das Warten nämlich lohnt:

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sach 9,9b)

Diese Ankündigung aus dem Alten Testament stimmt uns ein auf den im Advent freudig Erwarteten; ja, auf den, den wir an Weihnachten als Kind in der Krippe feiern werden.

Als Erstes erfahren wir von ihm, dass er als König kommt: zu dir, zu mir, zu uns allen. Und dieser König ist kein geringer als Gott selbst, der in diese Welt kommt - auf uns zukommt. Dafür müssen wir nichts tun. Das einzige, das wir tun können, ist zu warten und ihn zu erwarten. Das heißt auch, damit zu rechnen, dass er kommt und etwas in die Welt bringt, das sie verändert.

Denn als Zweites erfahren wir, dass er ein Gerechter und ein Helfer ist. Ihn also erwarten wir, wenn wir uns im Advent vorbereiten und einstimmen auf das Wunder der Weihnacht.

Meine Vorfreude ist geweckt und ich nehme mir vor, in den kommenden Adventswochen genau hinzusehen, an welchen Orten und in welchen Situationen ich diesem besonderen König begegnen kann.

Kreativ kann ich dann bei der Frage werden, wo sein Kommen im Moment am Dringendsten benötigt wird. Wer weiß, welch kreative Einfälle mir beim Warten kommen werden, um mitzuhelfen an einem gerechten und friedvollen Miteinander.

In diesem Sinne –

Bleiben Sie in freudiger Erwartung für die kommende Adventszeit.

Sie wird vielversprechend!

Ihre Pfarrerin Eva Engelking