„Und… was hast du die letzten Tage so gemacht?“

Diese Frage taucht nun eigentlich immer in meinen Telefongesprächen auf, egal ob ich mit einer Freundin oder jemandem aus meiner Familie spreche. Verschiedenes wird dann erzählt: wir teilen, was heute geputzt, im Garten entwurzelt und neu eingesät oder gekocht wurde. Neben Alltagstaten dieser Art kommen wir aber auch auf anderes zu sprechen: Dankbar schmunzelnd werden Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse geteilt. Voller Vorfreude werden Nach-Corona-Quarantäne-Pläne geschmiedet. Auf HERZENSHÖHE“ werden aber auch Sorgen und Sehnsüchte, die gerade die Gedanken belagern, ausgesprochen und geteilt.

„Und, was haben Sie in den letzten Tagen so gemacht?

Wie haben Sie die Karwoche und Ostern erlebt?“ Ich bin sicher, dass Sie einiges zu erzählen haben. Anfangen könnten wir beim spannungsvollen Einkauf im Supermarkt und fortfahren mit dem liebevollen Bestücken von Osternestern. Wir könnten uns erzählen, worüber wir uns besonders gefreut haben: über die herrlichen Sonnentage oder über unerwartet eintrudelnde Anrufe und Kartengrüße.

Vielleicht würden wir dann auch irgendwann darüber sprechen, was Sie und ich in diesen Tagen besonders vermisst haben: das wirkliche Zusammensein mit der Familie, das Feiern eines Gottesdienstes in der Kirche?

Es gibt auch in diesen Tagen viel zu erzählen, obwohl sie so anders waren als in anderen Jahren.

Und!? Wie hast du die letzten Tage erlebt?“ Auch im Gespräch dieser Männer wurde die Frage behandelt. Zwei Freunde von Jesus sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Auf diesem Weg gesellt sich ein dritter Mann dazu. Sie kennen ihn nicht. Ihm erzählen sie, was sie in Jerusalem erlebt haben: sie erzählen von den letzten Tagen mit Jesus und wie sie das Passahfest gemeinsam gefeiert haben. Sie berichten von Jesu Verhaftung und seinem Tod am Kreuz.

Dann kommen sie auch auf das leere Grab zu sprechen. Jesus sei auferstanden von Toten, haben Engel berichtet.  Aber was sollen das heißen?

Da schaltet sich dieser fremde Mann ein und auf einmal verstehen sie, was das leere Grab bedeutet. In ihnen wird es wieder lebendig. Trost und Gewissheit keimen auf. Sie sehen: es ist wahr, was da berichtet wird. Das leere Grab hinterlässt keine Leere. Es ist gefüllt mit einer lichtvollen Gewissheit: Jesus ist wirklich auferstanden von den Toten. Es bleibt nicht beim Tod, beim Schrecken, bei der Angst. Das Leben hat das letzte Wort und so wird es auch in uns immer wieder lebendig.

„Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete. (Lk 24,32)

So beschreiben die beiden im Nachhinein, wie die Osterbotschaft für sie verständlich geworden ist. Diese Worte gehen mir nach: Obwohl diese Männer alles hautnah miterlebt haben, blieb ihnen das leere Grab zunächst unverständlich und unbegreiflich. Erst im Teilen des Erlebten, im Nahe-Sein auf Herzenshöhe kam die Osterbotschaft in ihnen an.

Erweist sich die Osterbotschaft nicht eben genau auf diese Weise als wahr?

Sie entfacht unsere Herzen und zeigt uns, was uns lebendig sein lässt und was uns daran hindert.

Sie erfüllt uns mit Wärme füreinander und öffnet uns die Augen dafür, was andere gerade zum Leben brauchen: einmal ist es der Gang zum Supermarkt, einmal das offene Ohr am Telefon.

Sie befeuert unsere Kreativität, lässt uns Neues ausprobieren und andere Kanäle anzapfen, so wie durch Kreidebotschaften auf der Straße und bunt bemalte Hoffnungssteine auf der Kirchentreppe oder virtuelle Essensgemeinschaft per Videoanruf.

Es ist OSTERN geworden:

Ich kann es spüren. Ich kann es sehen. Ich kann es hören.

Viele OSTER-Erfahrungen wünsche ich Ihnen allen bei Begegnungen auf Herzenshöhe, beim Erzählen von dem, was Sie beschäftigt, beim Entdecken, an welchen Stellen es auf einmal ganz hell, ganz warm oder ganz kreativ wird. Denn:

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.

 

Mit dieser Wochenpost grüßt Sie alle herzlich aus den letzten Wochen der Elternzeit,

Ihre Pfarrerin Eva Engelking

PS: Wenn Sie die Geschichte von den beiden Freunden Jesu gern in voller Länge lesen würden, dann finden Sie diese im Lukasevangelium in Kapitel 24, Verse 13-35.