Saure-Gurken? Nicht mit mir!

Ich bin Frühlingsreif – Sie auch? Ich hoffe Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich gleich mit der Tür ins Haus falle, aber ich habe genug von diesem Grau-in-Grau, das diese Woche fast nur Regen und Matsch mit sich geführt hat. Das alles macht die sowieso eher ruhigen Wochen im Januar und Februar erst recht zur Saure-Gurken-Zeit. Diesen Ausdruck habe ich von meinem Kollegen gelernt und zum Ende dieser Woche fühlt es sich für mich nun genau so an: die Auswahl für Freizeitaktivitäten ist so überschaubar, wie eine Vorratskammer nach Weihnachten. Die letzten Reserven sind so langsam angebrochen. Und nicht nur das: ich fühle mich sogar wie eine saure Gurke. Mehrfach war ich in dieser Woche schon durchnässt. Leicht angesäuert von der Mischung aus Winter- und Corona-Einschränkungen bin ich ebenfalls. Und meine Haare haben mittlerweile dieselbe Spannkraft wie eine Gurke, die schon viel zu lange in einem Einmachglas steckt. Ja, ich bin reif für den Frühling: reif für längere Tage und kürzere Nächte, reif für sprießende Bäume und bunt erblühende Wiesen, reif für Leben auf den Straßen.

Tja, und nun? Ich bin zwar frühlingsreif, aber Saure-Gurken-Zeit ist trotzdem noch angesagt und sie wird wohl auch nicht so schnell enden.

In dieser Gefühlslage spricht mir folgende Frage aus dem Herzen:

„Wer wird uns [endlich wieder] Gutes sehen lassen?“  (Psalm 4,7a)

Ich entdecke diese Frage in einem uralten Gebet. Dieser Psalm offenbart mir eine kritische Stimme, die mir gerade jetzt guttut. Mich spricht einer an, der die Sehnsucht nach dem Guten, ja nach Möglichkeiten zum Auftanken und dem Spüren von Lebendigkeit kennt. Er formuliert diese Frage und lässt mich darin meine Frage heraushören: „Ja, wer beendet diese Saure-Gurken-Zeit für mich und uns und vor allem wann?“

In Psalm 4 ist die kritische Frage direkt an Gott adressiert und sie verbindet sich auch noch mit einer ganz klaren Ansage an den Adressaten höchstpersönlich:

„Lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Du erfreust mein Herz mehr als zur Zeit, da es Korn und Wein gibt in Fülle.“ (Psalm 4,7b.8)

Die kritische Stimme des Psalmbeters ist also auch noch kraftvoll fordernd. Und das wohl aus gutem Grund. Sie kann nämlich kraftvoll fordernd sein, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass Gott diese Sehnsucht nach Gutem, ja nach Fülle im Herzen stillen kann. Und dieser Gott kann es auch in Saure-Gurken-Zeiten. Gott erfreut unsere Herzen und findet selbst durch Regen, Matsch und Grau-in-Grau eine Möglichkeit es leuchten zu lassen in meinem, in deinem, in Ihrem Herzen.

Dieser Psalmbeter hat mich also ermutigt heute kritisch zu sein und auch Sie meine kritische Stimme hören zu lassen.

Und jetzt ermutigt er mich auch noch kraftvoll zu fordern und vor allem fest damit zu rechnen, dass es durch Gottes Kraft in und um mich herum immer wieder von Neuem lebendig, farbenfroh und lichtvoll werden wird.

In diesem Sinne – Machen Sie das Beste aus den sauren Gurken in Ihrem Leben und nehmen Sie Gott ruhig in die Pflicht.

Gott kann damit umgehen.

Ihre Pfarrerin Eva Engelking