Planungssicherheit

Wissen Sie was? Ich plane für mein Leben gern: ich schreibe regelmäßig Wochenpläne, in denen ich meine zu erledigenden Aufgaben über die Woche verteile. Ich überlege mir Speisepläne, die für jeden Geschmack etwas bereithalten. Und mit besonders großer Freude verplane ich die freie Familienzeit mit Ausflügen oder Besuchen. Wie viel ich aber tatsächlich plane, wurde mir erst in der letzten Zeit deutlich. Genau genommen ging mir das erst auf, nachdem so allerlei Pläne bei uns geplatzt sind, wie die geplante Tauffeier für unseren Jüngsten und zwei Urlaube.

Dadurch ist mir nicht nur die Vielzahl an verschiedenen Plänen in meinem Leben deutlich geworden, sondern auch die Tatsache, dass ich oft davon ausgehe, dass sie aufgehen. Bei meinen eigenen Wochenplänen bin ich zwar großzügig mit mir und deren Erfüllung. Bei Planungen, die mir aber besonders wichtig sind, rechne ich schon damit, dass wenigstens Plan B in Erfüllung geht. Und obwohl mir klar ist, dass auch ein noch so guter Plan kein Garant für eine gelingende Umsetzung ist, fällt es mir in der konkreten Situation oft schwer, das zu akzeptieren.

Nun verschärft die momentane Corona-Situation das Planen für alle Planfreudigen wie mich noch mehr. So erlebe ich es mit den privaten Urlaubsplänen für diesen September.

So erlebe ich es bei all den Planungen, die wir als Remsecker Kirchengemeinde unternehmen: wir planen eifrig für die kommenden Monate und überlegen Konzepte, die auch unter Corona-Bedingungen möglich sind und doch bleibt als Vorzeichen die Unsicherheit bestehen. Uns wird dadurch die Unverfügbarkeit unserer Lebensgestaltung vor Augen geführt.

Unverfügbar – dass das Leben am Anfang und am Ende unverfügbar ist, nehmen wir in der Regel demütig hin. Dass das Leben aber auch zwischendrin unverfügbar ist, also nicht komplett durch unsere Hand planbar ist, wird gern verdrängt. Zumindest von mir: Zwischendrin soll möglichst alles so laufen, wie ich das geplant habe. Positive Überraschungen nehme ich gern an, andere aber nicht.

Die Realität sieht aber anders aus. Sie sah auch schon vor Corona anders aus. Auch zwischendrin läuft es nicht immer so, wie ich und wie Sie es geplant haben. Diese Erfahrung wird und wurde zu allen Zeiten gemacht. Ein Mensch vor mehreren tausenden Jahren hat dieses Erleben rückblickend zu einem Psalmgebet formuliert: seine Lebenspläne sind damals gewaltig ins Wanken geraten, zum Teil mussten sie ganz verworfen werden. Die Zukunftsungewissheit hat ihn in große Unsicherheit und Not gebracht. Dieser Erfahrung stellt er nun einen ganz überraschenden Ausruf entgegen:

„Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Ps 31,15-16a)

Meine Zeit in Gottes Hand – das ist sie am Anfang und am Ende, aber eben auch zwischendrin. Der Psalmbeter erlebt diese Zeit dazwischen außerhalb seines Einflussbereichs. Das macht ihn ohnmächtig. So ohnmächtig wie er sich fühlt, erkennt er aber, dass doch nicht alles unsicher bleiben wird. Denn es gibt den Einen, dem unsere Lebenszeit ganz zur Verfügung steht. Gott hält sie ganz in seinen Händen. Dadurch bekam dieser Beter damals, dadurch bekommen wir heute wieder Planungssicherheit in unsicheren Zeiten. Gott hat den Überblick über unsere Pläne und verfolgt einen Plan, der ein gutes Ende für uns alle nehmen wird.

Mit Gott an der Seite stehen wir die Planungsunsicherheiten des Lebens durch. Sein Mitgehen schenkt die Kraft dazu. Und Gottes Plan A im Hintergrund schenkt auch noch neue Planungsfreude für die geschenkte Lebenszeit.   

So kann ich also nur einstimmen in die Worte meines Vor-Beters: „Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Ps 31,15-16a)

In diesem Sinne – lassen Sie uns nicht aufhören Pläne für unser Leben zu schmieden, auch in unsicheren Zeiten.

Eva Engelking

 

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