Nicht besinnlich

Dafür ist die Kirche doch da: Besinnlichkeit. Zur Ruhe kommen. Abschalten. Frieden finden. In Einklang mit sich und der Welt kommen. Atempausen schaffen. Trost finden. Hoffnung schöpfen.

Aber vielleicht ist dann doch auch mal etwas anderes dran: Zur Besinnung kommen anstelle von wohlfühliger Besinnlichkeit. Die entscheidende Frage hat mir eine Remseckerin genannt. Sie hat sich schon lange vor Corona gefragt, „wann das endlich alles einmal kollabiert?“ Unsere Welt kannte nur eine Richtung: Immer höher, immer schneller, immer weiter, immer mehr, immer bequemer… Und plötzlich steht alles still. 

Vordergründig drehen sich die meisten Diskussionen jetzt noch um das Virus und die Gegenmaßnahmen der Regierungen, aber darunter drückt das Thema „after Corona“ nach oben. Wie kann es nach Corona weitergehen? Das ist die Hausaufgabe für alle, wirklich für alle Menschen rund um die Erde. Für Sie, für mich, für die Politiker, für die Wirtschaftsbosse, für Italiener und Chinesen, für Arme und Reiche. Wir müssen alle zur Besinnung kommen, entweder wir wollen nach der Pandemie zurück zum alten Normal oder wir wagen es und stellen unsere Wünsche, unserer Vorstellungen vom Leben, unsere Pläne, unsere Erwartungen von Grund auf in Frage. Brauche ich immer das neueste Handy, den neuesten Fernseher? Muss ich dreimal im Jahr verreisen? Brauche ich noch mehr Geld, mehr Kleider, mehr Schuck, mehr Spaß, mehr…?

Der Pfarrer in meiner Heimatgemeinde gab mir zur Konfirmation einen Bibelvers mit, den ich nie leiden und mit dem ich nie viel anfangen konnte. Aber in dieser Krisenzeit bringt mich genau dieser Vers zur Besinnung: „Wer Gott sucht, findet alles, was er zum Leben nötig hat“ (Psalm 34,11, frei übertragen). Wer Gott nicht sucht, der wird dem Leben ständig hinterherjagen. Immer schneller, immer weiter, immer höher. Aber er wird es nicht finden.

48 Jahre nach meiner Konfirmation und ausgelöst durch den Corona Stillstand bringt mich mein Denkspruch zur Besinnung:

Wer Gott sucht, wird das Leben finden.

Auch im Namen meiner Remsecker Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende – mögen Sie das Leben finden.

Ihr Pfarrer Achim Dürr