Mutig Mutig

Na, Sie sind ja ganz schön mutig.“ - mit diesen Worten begrüßt mich ein älterer Herr bei einem Krankenbesuch. Schnell wird deutlich, dass er damit nicht meinen Besuch bei ihm meint, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich schwanger bin.

Na, Sie sind ja ganz schön mutig.“ – dieser Satz hat mich im ersten Moment sprachlos gemacht. Mit einer solchen Reaktion auf das heranwachsende neue Leben in meinem Bauch hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Erst im weiteren Verlauf unseres Gesprächs wurde mir klar, was mich der über achtzig Jahre alte Herr eigentlich fragen wollte. Hinter seinem Begrüßungssatz steckte vielmehr folgende Frage:

„Na, Frau Pfarrerin, sind Sie wirklich so mutig und glauben daran, dass es mit dieser Welt gut für Sie und Ihre Kinder weitergeht? Sagen Sie schon: wie halten Sie es denn mit Blick auf die Zukunft dieser Erde?“

In diesen Tagen – fast 4 Jahre später -  fällt mir dieses Gespräch mit dieser Frage wieder ein. Sie scheint mir gerade aktueller als damals. Daher nehme ich nun meinen Mut zusammen und gebe eine ganz persönliche Antwort darauf:

Angesichts von Klimawandel, populistischen Stimmungsmachern und einer weiter um sich greifenden Pandemie fühle ich mich nämlich momentan so, wie der Mann auf dem Foto, das Sie vor sich haben.

Ein Bein steht fest auf dem Boden der Tatsachen. Das andere ist etwas freischwebend und nach festem Tritt suchend. Dazu ist da ein Kribbeln im Bauch und ein mulmiges Gefühl, ob diese wacklige Angelegenheit nicht doch noch ganz kippt.

Aber trotzdem sehe ich auch diese unglaubliche Weite vor mir, wie auf dem Bild. Die ist da!

Die Zukunft liegt weiter offen vor mir und vor uns, auch wenn ich nicht sagen kann, wie rosig oder wie düster sie aussehen wird.

Daher muss ich meinem Gesprächspartner von damals nun wieder recht geben: Um in diese Weite hineinzuspringen, braucht es Mut. Den habe ich an manchen Tagen und an anderen ich ihn verzweifelt.

Beim Suchen hat mir schon so manches Mal ein Satz oder auch mal eine ganze Geschichte aus der Bibel geholfen. Aktuell hilft mir folgender biblischer Satz:

„mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

(Psalm 18, 30b)

 

 

Der Glaubensbruder, der diese Worte formuliert hat, lebte vor vielen hundert Jahren in einer bedrohlichen und angstmachenden Situation. Auch er stand, wie ich, auf einem wackeligen Standbein und suchte den Weg in die Zukunft. Er wusste nicht genau, wie er das Hindernis dorthin überqueren sollte. Doch dann nahm Gott ihn bei der Hand, stattet ihn mit einer gehörigen Portion Mut aus und sprang einfach mit ihm drüber.

Diese Erfahrung kann ich teilen – trotz meiner Fragen, Zweifel und meinen Unsicherheiten: Gott macht mutig und stark zum Weitergehen in die Zukunft.

Und noch mehr: Gott zeigt uns Wege, wie wir über kleinere Hindernisse oder große Mauern wieder in die Weite der Zukunft kommen können: mal ist es ein mutiger Sprung, mal ein vorsichtiges hinüber Klettern.

Und deswegen bleibe ich auch optimistisch, was die Zukunft betrifft, denn Gott ist an unserer Seite. Durch die göttliche Begleitung werden uns auch Wege und Möglichkeiten aufgehen, wie wir diese Zukunft auch zum Guten mitgestalten können. Keine Frage: leicht wird das nicht, aber es ist möglich. Das glaube ich fest! 

 

Also: lassen wir uns doch mutig darauf ein und springen hinein

in die Weite der Zukunft. Wir tun das nicht allein.

 

Gut Sprung – Ihre Pfarrerin Eva Engelking