„ist dein Dasein mit Heiterkeit erfüllt?“

Sie werden nicht glauben, wo ich dieses Bild aufgenommen habe! Mir war es ein bisschen unangenehm, das Handy dort zu zücken. Dabei hat mich niemand dabei beobachtet. Ich bin mir ganz sicher – es war nämlich auf einer Besuchertoilette im Krankenhaus. Am Anfang ist mir dieser Aufkleber gar nicht aufgefallen. Das wundert mich im Nachhinein selbst. Er ist gut und gern 10x15 cm groß und hängt direkt über dem Spülkasten.

Vielleicht hat’s „pressiert“. Vielleicht habe ich auch einfach nicht damit gerechnet, dass mir jemand so eine persönliche Frage auf dem stillen Örtchen stellt:

„ist dein Dasein mit Heiterkeit erfüllt?“

Am liebsten hätte ich mit „Nö.“ geantwortet. Ich hatte gerade schlechte Laune und mir stand der Sinn nicht nach so humorigen Unterbrechungen. Aber da ich den Aufkleber nun einmal entdeckt hatte, musste ich unwillkürlich über diese Situationskomik lachen.

So eine Frage! Und dann ausgerechnet hier! Auch das hat zum Glück keiner gehört.

Die Frage habe ich mit zum Waschbecken genommen. „Ist mein Dasein mit Heiterkeit erfüllt?“ Ehrlichweise musste ich trotz schlechter Laune zugeben: Ja, ist es. Heiterkeit ist etwas, das für mich untrennbar zum Glauben und damit zu meinem Leben gehört. Und darüber bin ich froh.

Manches im Leben gehört einfach zusammen: Maultaschen und Kartoffelsalat. Marmorstein und Eisen. Aber nicht unbedingt Glaube und Heiterkeit. Für manche Menschen bilden die beiden keine natürliche Einheit. Für mich schon.

Wer heiter ist, der hat eine Fröhlichkeit im Herzen, die mehr ist, als Spaß. Heiterkeit ist etwas, das länger nachhallt, als ein ausgelassenes Lachen.

Ich glaube, echte Heiterkeit entsteht da, wo ich meinen Anker nicht in mir selbst auswerfen muss. Da, wo ich nicht jede Sorge selbst tragen, jedes Problem selbst lösen oder mich in jedem Kummer selbst trösten muss.

Heiterkeit hilft mir dabei, mit einem Lächeln oder gar lachend Abstand zu nehmen: Wo ich einer Sache heiter begegne, da mache ich mich frei von den Dingen, die mich bedrücken, von den Umständen, in denen ich gefangen bin, oder auch mal von mir selbst. Das heißt nicht, dass ich Sorgen – die meiner Mitmenschen oder meine eigenen – auf die leichte Schulter nehme. Es heißt nur, dass sie nicht immer den Ton angeben dürfen.

Wie seltsam das manchmal auf andere wirkt, kann man an Dietrich Bonhoeffer sehen. Im Juli 1944 schreibt er im Militärgefängnis Berlin-Tegel das Gedicht „Wer bin ich?“. Es beginnt so:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,  
ich träte aus meiner Zelle 
gelassen und heiter und fest,    
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß…

Wie mag dieser Mann auf seine Wärter gewirkt haben? Vielleicht wie ein Sonderling. Wie kann jemand, der äußerlich gefangen ist, innerlich so frei wirken? Wie kann er sein Gefängnis verlassen, aufrecht wie ein anderer sein Schloss? Heiter war er und gelassen, sagen sie. Und das, obwohl er bestimmt mit seinem Tod gerechnet hat.

Woher kommt so eine Heiterkeit? Für mich hat sie ihren Ursprung im Evangelium. Immerhin ist das die Frohe Botschaft und nicht die traurige. Wenn ich die zusammenfassen müsste, dann würde sie so klingen: So wie sich Gott schon mit vielen Menschen auf den Weg gemacht hat, so macht er das auch mit mir. Sehen kann ich das an Jesus Christus. Weil er als Mensch unter Menschen gelebt hat, glaube ich an einen Gott, der himmlische Freude und weltlichen Schmerz kennt. Und dass er den Tod überlebt hat, lässt mich hoffen, dass es mir einmal genau so gehen wird. So kann mich manches auf der Welt zwar plagen, aber so richtig große Angst spüre ich Gott sei Dank nur selten.

Gott kennt meine Sorgen, aber er lässt mich weiter sehen, als bis zum nächsten Berg. Jesus Christus hat zu seinen Jüngern einmal gesagt: „Jetzt seid ihr voll Angst und Trauer. Aber ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand nehmen.“ (Johannes 16,22)

Ich glaube nicht, dass dieses Wiedersehen, erst nach dem Tod stattfinden wird. Es ist schon geschehen – in meinem Herzen und deshalb geht es dort meistens heiter zu.

In diesem Sinne – ist Ihr Dasein von Heiterkeit erfüllt?

Ich hoffe doch!

Ihre Pfarrerin Isabella Bigl