Herzensstärkung

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Dieses Zimmer ist ein Phänomen. Genau genommen nicht das ganze Zimmer, sondern dieser Tisch. Kaum habe ich alles auf ihm weggeräumt, steht er spätestens eine Woche später wieder vollbeladen da. Und in diesem Fall bin ich höchst persönlich für diese Unordnung verantwortlich. Ich kann es weder meinem Mann noch meinen Kindern  in die Schuhe schieben. In diesem Fall klappt das nicht. Dieser Tisch ist meine ganz persönliche Kruschtel-Ecke. Und sie stört mich: denn sie erinnert mich penetrant daran, dass ich immer noch nicht die Unterlagen abgelegt habe; dass ich immer noch nicht ausgemistet habe; dass die Knöpfe nicht angenäht sind und das Buch nicht geklebt ist. Die Liste könnte ich beliebig verlängern, denn es kommt immer wieder etwas Neues dazu. Ich werde nicht fertig mit dem Tisch und den Aufgaben, die auf mich warten.

Es gibt Tage, an denen ich gut über diese Unordnung hinweg sehen kann. Und es gibt Tage, an denen sie mich so stört, dass ich ganz unruhig und ungeduldig werde. Vielleicht kennt das die eine oder der andere ja auch. In letzter Zeit stört mich das Chaos auf besagtem Tisch mehr als sonst. Das liegt sicher daran, dass es nun immer direkter auf Weihnachten zugeht.  

Anfang dieser Woche war es daher wieder so weit. Ich kam an meinem Chaos-Tisch vorbei, bekam ein schlechtes Gewissen und versuchte auf die Schnelle, Ordnung zu schaffen. Es gelang mir nicht wirklich, weil es mir an Zeit, am richtigen Werkzeug, aber auch an Muße fehlte.

Ja, dieser Tisch ist wirklich ein Phänomen: er erinnert mich nämlich an etwas, das ich in viel wichtigeren Lebensbereichen auch erlebe. Er erinnert mich daran, dass meine Zeit begrenzt ist, genauso wie meine Handlungsmöglichkeiten und meine Kräfte. Und er zeigt mir, dass ich ungeduldig werde, wenn ich eben diese Begrenztheit spüre.

Das geht wohl nicht nur mir so: zumindest entdecke ich im Jakobusbrief, dass genau das dort Thema ist. Der Verfasser wendet sich an seine ungeduldig wartenden Zeitgenossen. Diese nehmen allerlei Probleme in ihrer Umwelt wahr und erleben sich zugleich als äußerst begrenzt in ihrem Handeln. Deswegen warten sie sehnsüchtig auf Jesu Wiederkunft in der Welt. In diese Situation hinein schreibt Jakobus nun:

„Seid geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ (Jak 5, 8)

Mit diesen Worten im Kopf stelle ich mich noch einmal meinem Chaos-Tisch und dabei erlebe ich den Aufruf „Seid geduldig“ auf ein neue Weise. Ich merke, dass Jakobus mich dazu ermutigt mit mir selbst geduldig zu sein und mich meinen Begrenzungen langmütig zu stellen. Die Worte „seid geduldig“ sind vielmehr Zusage und Ermutigung als eine von mir zuerfüllende Aufgabe. Das unterstreicht der Aufruf „Stärkt eure Herzen“.  Gerade in Zeiten, in denen uns die Ungeduld und Unruhe umtreibt, sollen wir uns selbst im Blick behalten und unsere Herzen stärken mit allem, was uns gut tut. Wir sollen es gut mit uns meinen, denn Gott meint es auch gut mit uns! Denn genau deswegen ist Gott an Weihnachten in die Welt gekommen: allein um unsertwillen ist Gott gekommen.

In diesem Sinne – Seien Sie geduldig mit sich und lassen Sie es sich gut gehen!

Ihre Pfarrerin Eva Engelking