Gott lässt sich hören

Es ist ein herrlicher Spätsommermorgen. Die Sonne scheint warm auf mich herunter, aber es weht auch schon eine leichte Brise. Perfekte Bedingungen, um noch kurz vor dem Friseursalon zu warten. Ich stehe da, genieße den Moment, schließe die Augen und vernehme es auf einmal: ein leises Blätterrascheln über mir. Die leichte Brise hat die Blätterpracht des Baumes neben mir in Bewegung versetzt. Mein Blick wandert nach oben und ich sehe, wie sich die Blätter sanft bewegen und vom Sonnenlicht goldgelb gefärbt werden. Eine Ahnung von Herbst liegt in der Luft. Der Sommer scheint langsam Abschied zu nehmen. Während ich dem Rascheln im Baum lausche, beginnt es in meinem Bauch zu kribbeln. Ein neuer Abschnitt im Jahr steht an. Die Ferienzeit geht dem Ende zu, ein neues Schuljahr beginnt. Ich bin gespannt, was die nächste Zeit bringen wird.

Beim Lauschen auf das Blätterrascheln stellen sich Vorfreude und ein zuversichtlicher Blick in die Zukunft ein. Das liegt sicher daran, dass ich den leisen Zauber eines Neuanfangs mitten im schon fortgeschrittenen Jahr spüren kann. Der stellt sich für mich immer im September ein. Das liegt aber auch an diesem Blätterrascheln. Dieses Geräusch stellt bei mir eine Nähe zu Gott her.

Denn es verbindet sich für mich mit einem Bild, das sich durch eine Bibelstelle eingeprägt hat. Sie steht im 1. Buch der Könige und das, was mir daran wichtig ist, besteht aus wenigen Worten:  „Und [es] kam ein stilles, sanftes Sausen.“ (1.Kön 19, 12b)

Aha - wenig spektakulär kann man nun denken. Für den Propheten Elia, der damals Zeuge dieses stillen, sanften Sausens wurde, verbindet sich damit allerdings ein äußerst spektakuläres Ereignis. In diesem stillen, sanften Sausen begegnet er nämlich Gott. Zuvor hat er fast das ganze Spektrum der Naturgewalten erlebt und ist Gott doch nicht begegnet. Erst nach dem stillen, sanften Sausen hört er Gottes Stimme. Gott spricht zu ihm und ermutigt ihn auf seinem Weg zu bleiben und weiter zu machen.

„Und [es] kam ein stilles, sanftes Sausen.“ (1.Kön 19, 12b)

Wow – das Bild vom stillen, sanften Sausen beeindruckt mich wieder aufs Neue. Ja - wie oft habe ich mir schon einen Fingerzeig oder gar ein Wort Gottes gewünscht, das mir Mut macht zum Weitergehen. Und nun zeigt diese Geschichte, dass ich damit auch rechnen kann. Gott lässt sich hören. Gott spricht mir Mut zu. Aber eben nicht unbedingt, indem er es in einem spektakulären, lauten Auftritt herausposaunt. Diese Geschichte von Elia und Gott zeigt mir, dass ich mit allem rechnen muss und vor allem, dass es sich lohnt hinzuhören. Genau daran erinnert mich das spätsommerliche Blätterrascheln im Baum immer wieder aufs Neue. Es erinnert mich innezuhalten, durchzuatmen, die Augen zu schließen und einfach nur zu hören.

Ja und dann, dann werde ich auch etwas hören. Davon bin ich überzeugt. Vielleicht verstehe ich es nicht immer sofort. Aber Gott hat auf alle Fälle eine ganze Bandbreite an Medien, um mit mir, um mit jedem Einzelnen von uns in Kontakt zu treten. Vom Donnerwetter bis zum stillen, sanften Sausen spricht Gott jede Sprache und schöpft das ganze Repertoire aus. Daher kann ich mich nur immer wieder erinnern und Sie alle dazu ermutigen, genau hinzuhören. Es ist damit zu rechnen, dass Gott mit uns spricht – vielleicht ja wirklich im Blätterrascheln des kommenden Herbstlaubes. 

In diesem Sinne: Hören Sie genau hin! 

Ihre Pfarrerin Eva Engelking