Gänsehaut-Momente

Eine Gänsehaut bekomme ich in den letzten Tagen des Öfteren: dazu trägt die nasskalte Witterung bei, aber auch die neusten Entwicklungen in der Welt. Da lässt mir so manch tagesaktuelles Geschehen die Haare zu Berge stehen. Und ich beginne von außen und von innen zu frieren. Die Gänsehaut, die da entsteht, ist unangenehm. Was auf der Haut begonnen hat, überträgt sich nun auf den ganzen Körper.

Eine Gänsehaut, die den ganzen Körper erfasst, bekomme ich aber auch in schönen Momenten. Bei Musik geht mir das so oder wenn ich einen Berggipfel erglommen habe und die Aussicht am Gipfelkreuz genießen kann. Auch dann beginnt es zuerst auf der Haut zu kribbeln und geht über in den ganzen Körper. Das Sprichwort „Das geht mir unter die Haut“ wird in solchen Momenten ganz konkret.

Kein Wunder: denn unsere Haut ist unser größtes Organ. Sie hält nicht nur alles zusammen und schützt den Körper. Sie ist auch das größte Wahrnehmungs-Organ. Sie hat sensible Sensoren für alles, was von außen auf sie einströmt. Ganz besonders sensibel reagiert sie, wenn sie direkt berührt wird.

Wie viel ich tatsächlich über die Haut aufnehme und wahrnehme, das war mir sehr lange nicht bewusst. Das wurde mir erst so richtig bewusst in den letzten Wochen, in denen die Berührungen mit anderen Menschen selten geworden sind und in denen meine Haut an den Händen vom vielen Waschen schon etwas strapaziert ist.

Ich merke, dass sich meine Haut nach wohltuenden Gänsehaut-Momenten sehnt. Besonders jetzt, wo es eben wieder kühler wird und wo es durch steigende Infektionszahlen unabdingbar ist auf Abstand zu anderen zu bleiben.

Ja – ich sehne mich nach schönen Gänsehaut-Momente und mache mich auf die Suche nach solchen, die auch unter Beachtung der Abstandsregeln vertretbar sind und nicht nur auf vergangenen Ereignissen beruhen.

Auf meiner Suche nehme ich auch die Bibel zur Hand und werde fündig bei Geschichten im Neuen Testament, die von Jesus berichten. Hier entdecke ich erst einmal, dass Jesus ein Mensch war, der anderen Menschen auch körperlich nahe gekommen ist. Wenn Jesus Menschen geholfen hat, dann hat er sie oft berührt. Er hat also genau um das Bedürfnis körperlicher Nähe gewusst. So zum Beispiel als er einen Mann sehend gemacht hat:

„Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, spuckte in seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas? […] Da sah er deutlich und wurde wieder zurückgebracht […].“ (Mk 8, 22-26)

Ja, eine Berührung ist da. Aber ich entdecke in dieser Geschichte noch etwas. Denn Jesus hat noch etwas anderes gemacht: er hat ihn zuerst aus dem Dorf geführt. An dem Ort, an dem sie nun sind, gibt es nur die beiden.

Sie begegnen sich von Angesicht zu Angesicht, ganz vertraulich. Nichts kann die beiden ablenken. Der Mann wird ganz wahrgenommen von Jesus. Und genau dort scheint mir eine wichtige Spur für unsere Situation zu liegen.

Während ich dieser Spur folge, bekomme ich schon eine leichte, diesmal sehr angenehme Gänsehaut. Denn ich erinnere mich auf einmal an vertrauliche und persönliche Begegnungsmomente mit Gott – ganz ohne körperliche Berührung. Es sind Gänsehaut-Momente, weil ich mich auch so gesehen und wahrgenommen und ohne Vorbehalte angenommen gefühlt habe, wie dieser Mann. Das bringt ein Kribbeln auf meine Haut und dann in meinen Bauch. Das lässt mich aus dem Grau heraus wieder Farbiges sehen. Das schärft meinen Blick und lässt mich zuversichtlich und mutig nach vorne blicken. Vielleicht geht es Ihnen auch so?

Berührt von diesem Gedanken, kommt mir eine Idee: vielleicht schaffen wir es uns gegenseitig Gänsehaut-Momente zu bescheren und zwar, indem wir uns auf Abstand wahrnehmen als ganze Menschen mit viel sensibler Haut.

In diesem Sinne – folgen wir doch dieser Spur und erleben unerwartete, schöne Gänsehaut-Momente in diesen Herbsttagen.

 

Ihre Pfarrerin Eva Engelking

Eine Gänsehaut bekomme ich in den letzten Tagen des Öfteren: dazu trägt die nasskalte Witterung bei, aber auch die neusten Entwicklungen in der Welt. Da lässt mir so manch tagesaktuelles Geschehen die Haare zu Berge stehen. Und ich beginne von außen und von innen zu frieren. Die Gänsehaut, die da entsteht, ist unangenehm. Was auf der Haut begonnen hat, überträgt sich nun auf den ganzen Körper.

Eine Gänsehaut, die den ganzen Körper erfasst, bekomme ich aber auch in schönen Momenten. Bei Musik geht mir das so oder wenn ich einen Berggipfel erglommen habe und die Aussicht am Gipfelkreuz genießen kann. Auch dann beginnt es zuerst auf der Haut zu kribbeln und geht über in den ganzen Körper. Das Sprichwort „Das geht mir unter die Haut“ wird in solchen Momenten ganz konkret.

Kein Wunder: denn unsere Haut ist unser größtes Organ. Sie hält nicht nur alles zusammen und schützt den Körper. Sie ist auch das größte Wahrnehmungs-Organ. Sie hat sensible Sensoren für alles, was von außen auf sie einströmt. Ganz besonders sensibel reagiert sie, wenn sie direkt berührt wird.

Wie viel ich tatsächlich über die Haut aufnehme und wahrnehme, das war mir sehr lange nicht bewusst. Das wurde mir erst so richtig bewusst in den letzten Wochen, in denen die Berührungen mit anderen Menschen selten geworden sind und in denen meine Haut an den Händen vom vielen Waschen schon etwas strapaziert ist.

Ich merke, dass sich meine Haut nach wohltuenden Gänsehaut-Momenten sehnt. Besonders jetzt, wo es eben wieder kühler wird und wo es durch steigende Infektionszahlen unabdingbar ist auf Abstand zu anderen zu bleiben.

Ja – ich sehne mich nach schönen Gänsehaut-Momente und mache mich auf die Suche nach solchen, die auch unter Beachtung der Abstandsregeln vertretbar sind und nicht nur auf vergangenen Ereignissen beruhen.

Auf meiner Suche nehme ich auch die Bibel zur Hand und werde fündig bei Geschichten im Neuen Testament, die von Jesus berichten. Hier entdecke ich erst einmal, dass Jesus ein Mensch war, der anderen Menschen auch körperlich nahe gekommen ist. Wenn Jesus Menschen geholfen hat, dann hat er sie oft berührt. Er hat also genau um das Bedürfnis körperlicher Nähe gewusst. So zum Beispiel als er einen Mann sehend gemacht hat:

„Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, spuckte in seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas? […] Da sah er deutlich und wurde wieder zurückgebracht […].“ (Mk 8, 22-26)

Ja, eine Berührung ist da. Aber ich entdecke in dieser Geschichte noch etwas. Denn Jesus hat noch etwas anderes gemacht: er hat ihn zuerst aus dem Dorf geführt. An dem Ort, an dem sie nun sind, gibt es nur die beiden.

Sie begegnen sich von Angesicht zu Angesicht, ganz vertraulich. Nichts kann die beiden ablenken. Der Mann wird ganz wahrgenommen von Jesus. Und genau dort scheint mir eine wichtige Spur für unsere Situation zu liegen.

Während ich dieser Spur folge, bekomme ich schon eine leichte, diesmal sehr angenehme Gänsehaut. Denn ich erinnere mich auf einmal an vertrauliche und persönliche Begegnungsmomente mit Gott – ganz ohne körperliche Berührung. Es sind Gänsehaut-Momente, weil ich mich auch so gesehen und wahrgenommen und ohne Vorbehalte angenommen gefühlt habe, wie dieser Mann. Das bringt ein Kribbeln auf meine Haut und dann in meinen Bauch. Das lässt mich aus dem Grau heraus wieder Farbiges sehen. Das schärft meinen Blick und lässt mich zuversichtlich und mutig nach vorne blicken. Vielleicht geht es Ihnen auch so?

Berührt von diesem Gedanken, kommt mir eine Idee: vielleicht schaffen wir es uns gegenseitig Gänsehaut-Momente zu bescheren und zwar, indem wir uns auf Abstand wahrnehmen als ganze Menschen mit viel sensibler Haut.

In diesem Sinne – folgen wir doch dieser Spur und erleben unerwartete, schöne Gänsehaut-Momente in diesen Herbsttagen.

 

Ihre Pfarrerin Eva Engelking

 

 

Bild: pixabay