Fliegende Freude

Ich sag mal so: Wenn du nur eine einzige Aufgabe im Leben hast, dann wär‘s besser, die gut zu erfüllen. Als Luftballon zum Beispiel. Da erwarten die Leute von dir vor allem eines: dass die Luft drinbleibt. Sonst hat der Spaß ein Loch.

 

Das war ein Grund, warum ich für unsere große Luftballonaktion am Sonntag eine bestimmte Sorte Ballons nicht gekauft habe. In einer Produktbewertung stand, dass sie zwar schnell geliefert werden, aber einige ein Loch haben. Das ist für Ballons nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Wenn die Luft nicht drinbleibt, hat der Ballonspaß ein Loch. Denn genau das ist die Kernaufgabe eines Ballons: fliegen und damit für Freude sorgen.

 

Als mir das so durch den Kopf ging – jetzt haben diese Ballons nur eine Aufgabe und nicht mal die kriegen sie auf die Reihe – da habe ich überlegt, was das bei mir eigentlich ist: die eine Lebensaufgabe.

 

In der Bibel gibt es ein ganzes Buch, das solchen Fragen auf den Grund geht: Was ist der Sinn des Lebens? Was erwartet Gott von uns? Wie können wir nicht nur leben, sondern gut leben?

Das Buch Prediger ist vielen vor allem durch Verse bekannt, die so beginnen: „Alles im Leben hat seine Zeit…“

Das ganze Buch ist in poetischer Sprache verfasst und damit kommt man seinem Geheimnis schon ganz nahe. Es ist einfach schön zu lesen. Nicht so verschwurbelt, wie ein Paulusbrief und nicht so zäh, wie die Stammbäume im Alten Testament. Einfach schön. Mir geht es so: Wenn ich darin blättere, dann denke ich oft „Genau! Genau so ist es!“ Da bringt jemand tiefe Weisheiten in einer einfachen Sprache auf den Punkt und das, ohne abgedroschen zu klingen.

 

Und es ist gut, dass die Sprache so schön klingt. Der Verfasser ist von Haus aus nämlich ein echter Pessimist. Er philosophiert über das Leben an sich und kommt immer wieder zu dem Schluss: Eigentlich ist alles verlorene Liebesmüh. Wenn man ihn so hört, könnte man meinen, der Spaß hat ein Loch und da redet einer, dem so langsam die Luft ausgeht.

 

Aber weit gefehlt. Am Ende landet er bei einer ganz und gar überraschenden Erkenntnis: Alles ist vergeblich, ja. Was ich heute tue und sage, vergessen meine Kinder morgen. Mein hart erarbeiteter Besitz gehört nach meinem Tod einem anderen oder wird weggeworfen. Und alles Wissen in der Welt, wird einmal wieder vergessen.

Also „entschloss ich mich, das Leben zu genießen und glücklich zu sein.“ Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Spaß als Lebensinhalt?

 

Und genau da muss man gut hinhören. Um Spaß geht es ihm nicht, sondern um Freude. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Wenn es um Spaß geht, dann ist damit etwas gemeint, das Menschen schnell aufmuntert. Dinge, die lustig sind und kurzzeitig die Stimmung heben: Der eine geht nach einem miesen Tag gern shoppen, der andere verputzt eine Tüte Chips. Macht beides Spaß. Meistens dauert es aber nicht lange, bis einen der Alltag wiederhat.

Freude dagegen ist anders. Freude geht tiefer und hält länger. Was mir Freude macht, ist etwas, das mich erfüllt. Etwas, bei dem das Glücksgefühl den Moment überdauert. Das kann ein Ehrenamt sein, die Betreuung der Enkelkinder oder ein Beruf, der mich zufrieden macht – etwas, bei dem ich spüre, wofür und wie ich lebe: Für andere, weil Gott mir die Möglichkeit dazu gibt.

 

Das ist die eine große Einsicht des Predigers: Glück und Freude finde ich nur da, wo ich mein Leben als Geschenk Gottes verstehe. Dann kann ich aufhören, mich unnötig zu plagen, ich kann mich an dem freuen, was ich habe, und für andere da sein. Das ist der Sinn des Lebens, sagt der Prediger. Das erwartet Gott von uns. Und so können wir nicht nur leben, sondern gut leben. Ich wünsche mir das für mein Leben: Dass andere mir ansehen, dass ich zufrieden bin. Dass ich die Freude, über mein Leben als Gottesgeschenk ausstrahle.

 

Mit einer Luftballonaktion am letzten Sonntag wollten wir genau das sichtbar machen: Als Christen haben wir Freude am Leben – egal, wie die Rahmenbedingungen sind. Wir hätten an diesem Tag in Neckarrems unser Sommerfest gefeiert. Das ist ein Tag, der von einem vollen Gottesdienst, einem gemeinsamen Mittagessen und vielen Menschen im Pfarrgarten lebt. All das war nicht möglich. Deshalb haben wir unsere Freude anders gezeigt: Mit vielen bunten Luftballons, die um 12 Uhr aus ganz Neckarrems in den Himmel gestiegen sind. Vorher hingen sie als Regenbögen an zentralen Stellen im Ort, damit jeder sehen konnte: Träume können platzen – unsere Hoffnung nicht!

An den Ballons waren Karten befestigt, die großen und kleinen Findern eine Freude machen sollten. Wer Lust hatte, konnte sich so einen Ballon holen, Freude verschicken und sich selbst freuen. Das ist schließlich unsere Aufgabe. Und das ist uns geglückt – inzwischen erreichen uns immer mehr Nachrichten von fröhlichen Findern!

 

In diesem Sinne – viel Freude!

Ihre Pfarrerin

 

 

Ich sag mal so: Wenn du nur eine einzige Aufgabe im Leben hast, dann wär‘s besser, die gut zu erfüllen. Als Luftballon zum Beispiel. Da erwarten die Leute von dir vor allem eines: dass die Luft drinbleibt. Sonst hat der Spaß ein Loch.

 

Das war ein Grund, warum ich für unsere große Luftballonaktion am Sonntag eine bestimmte Sorte Ballons nicht gekauft habe. In einer Produktbewertung stand, dass sie zwar schnell geliefert werden, aber einige ein Loch haben. Das ist für Ballons nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Wenn die Luft nicht drinbleibt, hat der Ballonspaß ein Loch. Denn genau das ist die Kernaufgabe eines Ballons: fliegen und damit für Freude sorgen.

 

Als mir das so durch den Kopf ging – jetzt haben diese Ballons nur eine Aufgabe und nicht mal die kriegen sie auf die Reihe – da habe ich überlegt, was das bei mir eigentlich ist: die eine Lebensaufgabe.

 

In der Bibel gibt es ein ganzes Buch, das solchen Fragen auf den Grund geht: Was ist der Sinn des Lebens? Was erwartet Gott von uns? Wie können wir nicht nur leben, sondern gut leben?

Das Buch Prediger ist vielen vor allem durch Verse bekannt, die so beginnen: „Alles im Leben hat seine Zeit…“

Das ganze Buch ist in poetischer Sprache verfasst und damit kommt man seinem Geheimnis schon ganz nahe. Es ist einfach schön zu lesen. Nicht so verschwurbelt, wie ein Paulusbrief und nicht so zäh, wie die Stammbäume im Alten Testament. Einfach schön. Mir geht es so: Wenn ich darin blättere, dann denke ich oft „Genau! Genau so ist es!“ Da bringt jemand tiefe Weisheiten in einer einfachen Sprache auf den Punkt und das, ohne abgedroschen zu klingen.

 

Und es ist gut, dass die Sprache so schön klingt. Der Verfasser ist von Haus aus nämlich ein echter Pessimist. Er philosophiert über das Leben an sich und kommt immer wieder zu dem Schluss: Eigentlich ist alles verlorene Liebesmüh. Wenn man ihn so hört, könnte man meinen, der Spaß hat ein Loch und da redet einer, dem so langsam die Luft ausgeht.

 

Aber weit gefehlt. Am Ende landet er bei einer ganz und gar überraschenden Erkenntnis: Alles ist vergeblich, ja. Was ich heute tue und sage, vergessen meine Kinder morgen. Mein hart erarbeiteter Besitz gehört nach meinem Tod einem anderen oder wird weggeworfen. Und alles Wissen in der Welt, wird einmal wieder vergessen.

Also „entschloss ich mich, das Leben zu genießen und glücklich zu sein.“ Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Spaß als Lebensinhalt?

 

Und genau da muss man gut hinhören. Um Spaß geht es ihm nicht, sondern um Freude. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Wenn es um Spaß geht, dann ist damit etwas gemeint, das Menschen schnell aufmuntert. Dinge, die lustig sind und kurzzeitig die Stimmung heben: Der eine geht nach einem miesen Tag gern shoppen, der andere verputzt eine Tüte Chips. Macht beides Spaß. Meistens dauert es aber nicht lange, bis einen der Alltag wiederhat.

Freude dagegen ist anders. Freude geht tiefer und hält länger. Was mir Freude macht, ist etwas, das mich erfüllt. Etwas, bei dem das Glücksgefühl den Moment überdauert. Das kann ein Ehrenamt sein, die Betreuung der Enkelkinder oder ein Beruf, der mich zufrieden macht – etwas, bei dem ich spüre, wofür und wie ich lebe: Für andere, weil Gott mir die Möglichkeit dazu gibt.

 

Das ist die eine große Einsicht des Predigers: Glück und Freude finde ich nur da, wo ich mein Leben als Geschenk Gottes verstehe. Dann kann ich aufhören, mich unnötig zu plagen, ich kann mich an dem freuen, was ich habe, und für andere da sein. Das ist der Sinn des Lebens, sagt der Prediger. Das erwartet Gott von uns. Und so können wir nicht nur leben, sondern gut leben. Ich wünsche mir das für mein Leben: Dass andere mir ansehen, dass ich zufrieden bin. Dass ich die Freude, über mein Leben als Gottesgeschenk ausstrahle.

 

Mit einer Luftballonaktion am letzten Sonntag wollten wir genau das sichtbar machen: Als Christen haben wir Freude am Leben – egal, wie die Rahmenbedingungen sind. Wir hätten an diesem Tag in Neckarrems unser Sommerfest gefeiert. Das ist ein Tag, der von einem vollen Gottesdienst, einem gemeinsamen Mittagessen und vielen Menschen im Pfarrgarten lebt. All das war nicht möglich. Deshalb haben wir unsere Freude anders gezeigt: Mit vielen bunten Luftballons, die um 12 Uhr aus ganz Neckarrems in den Himmel gestiegen sind. Vorher hingen sie als Regenbögen an zentralen Stellen im Ort, damit jeder sehen konnte: Träume können platzen – unsere Hoffnung nicht!

An den Ballons waren Karten befestigt, die großen und kleinen Findern eine Freude machen sollten. Wer Lust hatte, konnte sich so einen Ballon holen, Freude verschicken und sich selbst freuen. Das ist schließlich unsere Aufgabe. Und das ist uns geglückt – inzwischen erreichen uns immer mehr Nachrichten von fröhlichen Findern!

 

In diesem Sinne – viel Freude!

Ihre Pfarrerin

Isabella Bigl