Bisher fand ich Zeitkapseln toll!

Auf unserem Kirchturm haben wir zum Beispiel eine, die goldene Kugel unter dem Wetterhahn. Bei jeder Kirchenrenovierung werden dort Dokumente hineingelegt, die bei der nächsten Öffnung davon berichten, was die Menschen vor 50, 100 oder noch mehr Jahren bewegt hat.

In diesen Tagen kommt mir auch jede Andacht wie eine Zeitkapsel vor, aber damit verbinde ich gerade wenig Positives. Das, was Sie jetzt lesen, habe ich vor genau einer Woche geschrieben. Meine Gedanken mache ich mir zu Hause und vor der Tür spielen die Kinder, weil sie „Corona-Ferien“ haben. Ich habe es aufgegeben, nach Mehl Ausschau zu halten. In den meisten Geschäften brennt kein Licht mehr. Selbst unser Zweijähriger hat inzwischen verstanden, dass der Spielplatz geschlossen hat, aber die Gehwege noch geöffnet sind.

Ich weiß nicht, wie der heutige Donnerstag nun aussieht. Es ist sicherlich nicht einfacher geworden, optimistisch zu bleiben. Vielleicht wurde inzwischen eine Ausgangssperre verhängt. Vielleicht sind die Regale noch leerer. Auf jeden Fall wird so Manches geschehen sein, das vor einer Woche noch undenkbar erschien.

Noch nie in meinem Leben habe ich so hautnah erlebt, was Unsicherheit bedeutet.

Das, was wir Ihnen als Kirche in diesen Tagen anbieten können, wirkt auf den ersten Blick womöglich weit weg. Was wir zu erzählen haben, sind Geschichten von einem Gott, der die Beständigkeit selbst ist. „Ich bin, der ich bin!“ – so stellt er sich in 2. Mose 3,14 vor und im Neuen Testament steht „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebräer 13,8).

Das sind nur zwei Stellen, in denen Gott uns verspricht: Was auch in der Welt geschieht – ich bleibe! Er bleibt nicht nur sich selbst, sondern vor allem uns treu. In Gott finde ich ein Gegenüber, bei dem ich meine Sorgen gut aufgehoben weiß. Ich erlebe, wie einzelne Bibelverse – zum Beispiel die Tageslosung – für mich zu einem regelrechten Anker im Alltag werden. Es dauert keine Minute, sie zu lesen, aber diese wenigen Momente genügen, um mir ein tiefes Gefühl von Vertrautheit und Halt zu vermitteln. Diese uralten Worte sind ungebrochen aktuell und verändern sich in ihrer Botschaft nicht so einfach. Das macht mich am Abend auch nach turbulenten Tagen ruhig, weil ich spüre: Die wirklich wichtigen Dinge, liegen nicht in einem Supermarktregal.

 

Bleiben sie behütet.

Es grüßt Sie im Namen der Remsecker Pfarrerinnen und Pfarrer

Pfarrerin Isabella Bigl