Auf Spielraumsuche

„Kennen Sie diese süchtig machenden Gummischnüre?“ Bis Anfang dieser Woche hatte ich fast vergessen, dass es diese Süßigkeiten in meiner Kindheit gab. Aber die Frau an meiner Arbeits-Seite, Isabella Bigl, hat das geändert. Mit einem breiten Grinsen hat sie mir im Zusammenhang mit einer Andacht eine ganze Tüte davon ins Arbeitszimmer gebracht. Damit hat sich mich in unnachahmlicher Art eingeladen nach SPIELräumen in mir und um mich herum zu suchen.

Und ihr Plan ging auf: schon mit dem ersten „Schnürle“ tauchten Bilder aus Kindheitstagen auf. Ich sah mich mit nassen Haaren auf einem Handtuch mitten in der Sonne im Freibad sitzen. Und sofort hatte ich den Duft von Chlor und Sonnencreme in der Nase und den klebrig süßen Erdbeergeschmack der für 10 Cent erstandenen Gummischnüre auf der Zunge. Und nicht nur das: ich sah auch meine beste Freundin neben mit sitzend, die sich mit den salzigsten Pommes der Welt vollstopfte. In diesem Moment gab es nichts außer uns – der Raum, die Zeit, ja sogar unsere Euros vollkommen so genutzt, wie wir es uns vorstellten. Die Luft war voll von LEICHTigkeit und FREIheit – zumindest in meiner Erinnerung.

„Mmmh…SpielRAUM…“ einmal angefangen, ist es gar nicht so einfach wieder aufzuhören, dem nachzuspüren. Daher gebe ich mich nun schon die ganze Woche der SpielRAUMsuche hin. Nur so eine ganz kleine Portion der Inspirations-Gummischnüre habe ich aufgehoben, wie Sie auf dem Bild sehen – für alle Fälle sozusagen.

Ja, mir läuft das Wasser im Mund zusammen bei diesem Wortspiel.

Durch meinen letzten Gottesdienst kam ich durch einen biblischen Text auf eine weitere SpielART des SpielRAUMS. Die jugendliche Leichtigkeit kommt darin nicht mehr vor, aber ein großer Hauch von FREIheit. In der Textstelle geht es um zwei Frauen, die ihren SPIELRAUM auf sehr mutige Weise nutzen. Die Szene spielt sich zu der Zeit ab, als das Volk Israel in Ägypten lebte. Ein neuer ägyptischer König ist an der Macht und will das fremde Volk im eigenen Land klein halten. Dazu befiehlt er zwei israelitischen Hebammen die neugeborenen Jungen der Israeliten direkt nach der Geburt zu töten. Diesem Befehl widersetzen sie sich und das bringt sie in größte Gefahr. Prompt stellt der Pharao sie zur Rede. In dieser Situation entdecken sie, dass sie eine kleine Chance haben, ja einen kleinen SPIELRAUM. Sie nehmen ihren Mut und all ihre Gewitztheit zusammen und nutzen ihn. Sie erklären dem Pharao, dass sie den Befehl nicht ausführen können, weil die Neugeborenen immer schon auf der Welt sind, bevor sie kommen. Das stimmt zwar nicht, aber sie entkommen dem Pharao.

Die Hebammen sehen ihren SPIELRAUM und nutzen ihn. Dazu gehört etwas! Der biblische Text verrät, dass sie diesen Mut und die Freiheit dazu aus ihrer persönlichen Motivation bekommen. Dort heißt es: „[Sie] waren Gott gehorsam.“ (2. Mose 1, 17)

Sie haben sich also von ihrem Glauben an Gott leiten lassen und davon, dass Gott immer für das Leben ist. Das motiviert sie zu all ihrem Handeln. Und diese Motivation macht sie so frei, dass sie selbst den SPIELRAUM für das Leben nutzen können.

Ob ich das so tun würde und könnte, wie diese beiden, das weiß ich wirklich nicht. Aber die Geschichte ermutigt mich, diesen großen freiheitlichen Rückenwind aus dem Glauben ernst zu nehmen und suchend zu bleiben nach SPIELRÄUMEN für mich, für andere, für das Leben, das so gewollt ist von Gott.     

In diesem Sinne – Bleiben Sie dran an der Spielraumsuche.

Ihre Pfarrerin Eva Engelking