Quarantäne-Kanzel

Regelmäßig veröffentlichen wir an dieser Stelle Anregendes, Bedenkenswertes und Besinnliches. Nicht immer dreht sich alles nur um Corona - aber immer davon, dass wir nicht von Gott und der Welt verlassen sind.

Hungrig und durstig nach Gerechtigkeit?

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„Das ist so ungerecht!“ Dieser Ausruf schallte bei uns des Öfteren lautstark durchs ganze Haus – mal war ich selbst die Brüllende, mal eines meiner beiden jüngeren Geschwister. Meist ging es natürlich darum, dass einer von uns ungerecht behandelt wurde im Gegensatz zu den anderen beiden. Da gingen die Meinungen zum Teil sehr weit auseinander. Einig waren wir uns dafür aber umso mehr in der Intensität unseres Empört-Seins.

„Das ist so ungerecht!“ Immer noch ist dieser Ausruf ein vertrauter für mich. Doch ehrlich gesagt rufe ich ihn mittlerweile nicht mehr lauthals durchs ganze Haus. So ausdauernd und intensiv wie früher empöre ich mich nicht mehr über Ungerechtigkeiten. Das ist mir bewusst geworden ...

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Ringpause

Ich trau mich kaum, das laut zu sagen, aber ich schaue total gern Boxkämpfe an. Damit mir das nicht ganz so peinlich ist, berufe ich mich auf eine genetische Veranlagung:

Offensichtlich hat mir meine Urgroßmutter diese Vorliebe in die Wiege gelegt. Wenn bei meinen Großeltern ein Boxkampf im Fernsehen lief, dann tigerte sie leise schimpfend über diese Barbarei durchs Wohnzimmer, um sich irgendwann doch fasziniert auf dem Sofa niederzulassen.

 

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Fliegende Freude

Ich sag mal so: Wenn du nur eine einzige Aufgabe im Leben hast, dann wär‘s besser, die gut zu erfüllen. Als Luftballon zum Beispiel. Da erwarten die Leute von dir vor allem eines: dass die Luft drinbleibt. Sonst hat der Spaß ein Loch.

 Das war ein Grund, warum ich für unsere große Luftballonaktion am Sonntag eine bestimmte Sorte Ballons nicht gekauft habe. In einer Produktbewertung stand, dass sie zwar schnell geliefert werden, aber einige ein Loch haben. Das ist für Ballons nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Wenn die Luft nicht drinbleibt, hat der Ballonspaß ein Loch. Denn genau das ist die Kernaufgabe eines Ballons: fliegen und damit für Freude sorgen.

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Inwiewenn

Sehen Sie was da drüben? Nix, gell?

Ich auch nicht.

So geht es mir oft, wenn ich meine Kinder beobachte. Die sehen irgendwie Dinge, die ich nicht oder besser gesagt nicht mehr sehe. Am häufigsten passiert das „im Spiel“. Dann geschehen vogelwilde Dinge in unserem Garten, ich schlürfe plötzlich unsichtbare Puppensuppe und rufe lauthals „köstlich“! Das Prädikat „im Spiel“ erinnert alle Beteiligten jedoch daran, dass die Puppensuppe nicht ganz von dieser Welt ist.

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Mittendrin

Es ist Donnerstag. Donnerstag ist Hausandachtstag. Da ziehe ich meine Laufschuhe an und mache mich auf den Weg. Ein Weg, der mir zur liebgewonnen Routine geworden ist: Ich darf Postbotin spielen und die Aktualisierung der Hausandacht austragen. In der Mitte meines routinierten Weges liegt die Kirche unserer katholischen Geschwister. Da komme ich jeden Donnerstag vorbei. Und ich habe begonnen, mich einladen zu lassen von dem großen Schild „Diese Kirche ist offen“. Mittendrin auf meinem Weg halte ich an, setze mich in eine der Bänke. Ich lasse den großen, hellen Raum auf mich wirken bis ich angekommen bin. Mittendrin das Kreuz. Ich falte meine Hände, schließe die Augen und bete:...

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Liegengebliebenes aufARBEITen – Gedanken zum Tag der Arbeit am 1.Mai

Geht es Ihnen auch so? In diesen Tagen kann man manches Liegengebliebene aufARBEITen. Der Nachbar legt den Rasen hinter dem Haus neu an. Andere schleifen Möbel ab und streichen sie. Ordner, Schränke, Schubladen werden ausgemistet und neuer Platz geschaffen.

Überhaupt hat sich die ARBEIT für viele von uns grundlegend gewandelt. Viele praktizieren Homeoffice. Manche haben Kurzarbeit. Andere fürchten um ihren Arbeitsplatz und um ihr Auskommen. Läden und Firmen blieben und bleiben z.T. weiterhin geschlossen. Andere Arbeiten werden aufgewertet: Medizinisches Personal, Verkäuferinnen haben plötzlich Hochkonjunktur. Aber auch Freiwillige, die Schutzmasken nähen oder Einkäufe für andere tätigen. Ich wünsche mir sehr, dass diese Erfahrungen nachhaltig sind und zu einem neuen Wirtschaften und zu neuer, auch finanzieller, Bewertung von Arbeit führen. Zur Fortsetzung!

Friedenstauben aus Denkzetteln

Wir wohnen in einem Haus mit vier Stockwerken. Das hat so einige Nachteile. 39, um genau zu sein – Treppenstufen meine ich. Die winden sich bei uns offen durchs Haus, sodass man von ganz oben bis nach ganz unten schauen kann.

Die Nachteile liegen auf der Hand. Vielleicht kennen Sie das ja: Sie stehen ganz unten an der Haustür und bemerken, dass diese besonders praktische Fleecejacke, die jetzt so geschickt wäre, im Schlafzimmer unterm Dach liegt. Nochmal hochhecheln oder frösteln?

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„Er ist nicht hier…“

Diese Worte des Engels an die Frauen am Ostermorgen hatten dieses Jahr eine besondere Bedeutung. Sie kamen mir in den Sinn, als ich am Ostermorgen in die leere Kirche kam, um mit den Bläsern für das Osterständchen auf den Kirchturm zu steigen.

„Er ist nicht hier“. (Mt. 28,6)

Der Engel meinte das Grab. Doch an diesem historischen Osterfest ohne Gottesdienst – das gab es vermutlich in tausend Jahren nicht – galt das auch für das „hier“ in der leeren Kirche: Keine Osternacht. Kein Festgottesdienst. Keine Gemeinde. Kein Gesang – kein „Christ ist erstanden“ – in das man frohen Herzens hat miteinstimmen können. Nur eine leere Kirche.

„Er ist nicht hier“, sondern … zur Fortsetzung

Karfreitag - Wenn Gott das Licht ausmacht

Es gibt zwei Augenpaare auf und über dieser Welt, die mich in allen möglichen und unmöglichen Situationen kennen. Das eine gehört dem lieben Gott. Das andere dem Paketboten. Beim Paketboten kann ich nur schlecht damit umgehen, dass ich ihm meistens im ungünstigsten Augenblick der Woche die Tür öffne. Und den erwischt er regelmäßig mit schlafwandlerischer Sicherheit. Wenn ich wirklich gerade eben duschen wollte, aber mein strähniges Haar davon berichtet, dass es bisher beim Wollen geblieben ist. Wenn ich wirklich gerade eben die Garderobe von den Bergen an Matschhosen, einzelnen Schuhen, Dreckklumpen, Stecken und verwelkten Blättern befreien wollte und hoffe, dass er selbst Kinder hat.

In solchen Momenten denke ich mir oft: ... Zur Fortsetzung!

Die Hoffnung flott kriegen

Als Kind habe ich von meiner Mutter gelernt, dass man nahezu alles im Leben mit Ponal reparieren kann. Mein Vater hat immer versucht, die Stimme der Vernunft gegen diese Einstellung zu erheben: Ponal ist nun mal ein Holzleim und kann bei weitem nicht alles zusammenhalten. Mama war beharrlich – fast schon störrisch. Vieles konnte sie tatsächlich mit der weißen Wunderwaffe kleben und das hat unserer Familie einen Dauerbrenner beschert: „Lass das Mama machen, die holt Ponal!“

Heute bin ich erwachsen, muss meine sieben Sachen selbst reparieren und Sie werden lachen: Ich habe mir bei meinen Eltern eine Flasche Ponal gemopst... zur Fortsetzung

 

Geschichte mitschreiben

Wer die Wochenpost aufmerksam liest, der kennt schon den ein oder anderen Schwank aus meiner Jugend. Oder hat zumindest gelernt, dass Ponal eigentlich fast immer hilft. Das hat erst letzte Woche wieder hervorragend geklappt!

Heute gibt es eine neue Geschichte, dieses Mal vom Esstisch meiner Eltern. Mein Vater kam jeden Tag in seiner Mittagspause nach Hause, um mit uns zu essen. Meine Schwester, er und ich kamen in der Regel fast zeitgleich zu Hause an und die Bedürfnisse beim gemeinsamen Essen waren in unserer Familie ganz unterschiedlich verteilt. Ich wollte vor allem reden – viel – die anderen drei hätten gern ihre Ruhe gehabt oder wollten zumindest auch ab und zu mal was sagen. Oft hatten sie nicht den Hauch einer Chance. Und so entstand bei uns der Code: „Hasch du eigentlich keine Hausaufgaben?“

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"Hälsch de raus, kommsch en nix nei.“

Ich denke, das wäre Jonas Lebensmotto gewesen, wenn er nicht im alten Israel, sondern in Schwaben zur Welt gekommen wäre.

„Hälsch de raus, kommsch en nix nei.“ ist ein wohlmeinender Rat schwäbischer Eltern an ihre Kinder, wenn es Stress in der Klasse gibt oder es ist die Handlungsempfehlung unter Kollegen, wenn dem Chef mal wieder der Kragen platzt. Sollte man da nicht was sagen? Was tun? „Lieber net, hälsch de raus, kommsch en nix nei.“ Ball flach und Füße still halten und möglichst ungestreift durchkommen.

 

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Mutig Mutig

Na, Sie sind ja ganz schön mutig.“ - mit diesen Worten begrüßt mich ein älterer Herr bei einem Krankenbesuch. Schnell wird deutlich, dass er damit nicht meinen Besuch bei ihm meint, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich schwanger bin.

Na, Sie sind ja ganz schön mutig.“ – dieser Satz hat mich im ersten Moment sprachlos gemacht. Mit einer solchen Reaktion auf das heranwachsende neue Leben in meinem Bauch hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

 

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"Not macht erfinderisch, Kind"

Oft habe ich diesen Satz meiner Oma in den vergangenen Wochen im Ohr. Dass darin einige Lebenserfahrung liegt, ahnte ich wohl immer. Nun mache ich – notgedrungen -  meine eigenen Erfahrungen mit diesem allseits bekannten Satz. Und ich stelle fest: Ja, es stimmt, Not macht tatsächlich erfinderisch.

Zurzeit tun sich ja viele Nöte auf. Egal, wen ich frage, jeder und jede zählt mir auf, welche Nöte, welche Sorgen sich eingestellt haben. Der „normale“ Alltag ist weggebrochen. Von dem „Normalen“ ist nicht mehr viel geblieben. Der Einkauf im Supermarkt ist zum Highlight geworden. Wer hätte das gedacht?

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Nicht besinnlich

Dafür ist die Kirche doch da: Besinnlichkeit. Zur Ruhe kommen. Abschalten. Frieden finden. In Einklang mit sich und der Welt kommen. Atempausen schaffen. Trost finden. Hoffnung schöpfen.

Aber vielleicht ist dann doch auch mal etwas anderes dran: Zur Besinnung kommen anstelle von wohlfühliger Besinnlichkeit. Die entscheidende Frage hat mir eine Remseckerin genannt. Sie hat sich schon lange vor Corona gefragt, „wann das endlich alles einmal kollabiert?“ Unsere Welt kannte nur eine Richtung: Immer höher, immer schneller, immer weiter, immer mehr, immer bequemer… Und plötzlich steht alles still. 

Vordergründig drehen sich die ...Zur Fortsetzung

„ist dein Dasein mit Heiterkeit erfüllt?“

Sie werden nicht glauben, wo ich dieses Bild aufgenommen habe! Mir war es ein bisschen unangenehm, das Handy dort zu zücken. Dabei hat mich niemand dabei beobachtet. Ich bin mir ganz sicher – es war nämlich auf einer Besuchertoilette im Krankenhaus. Am Anfang ist mir dieser Aufkleber gar nicht aufgefallen. Das wundert mich im Nachhinein selbst. Er ist gut und gern 10x15 cm groß und hängt direkt über dem Spülkasten.

Vielleicht hat’s „pressiert“. Vielleicht habe ich auch einfach nicht damit gerechnet, dass mir jemand so eine persönliche Frage auf dem stillen Örtchen stellt:„ist dein Dasein mit Heiterkeit erfüllt?“

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„Und… was hast du die letzten Tage so gemacht?“

Diese Frage taucht nun eigentlich immer in meinen Telefongesprächen auf, egal ob ich mit einer Freundin oder jemandem aus meiner Familie spreche. Verschiedenes wird dann erzählt: wir teilen, was heute geputzt, im Garten entwurzelt und neu eingesät oder gekocht wurde. Neben Alltagstaten dieser Art kommen wir aber auch auf anderes zu sprechen: Dankbar schmunzelnd werden Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse geteilt. Voller Vorfreude werden Nach-Corona-Quarantäne-Pläne geschmiedet. Auf HERZENSHÖHE“ werden aber auch Sorgen und Sehnsüchte, die gerade die Gedanken belagern, ausgesprochen und geteilt.

„Und, was haben Sie in den letzten Tagen so gemacht?

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Den Blick weiten

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
(Psalm 121,1f)

Um mich herum blühen Veilchen und Osterglocken, Forsythien und Mirabellensträucher, an den Bäumen sprießen die ersten zarten Blätter. Selten war ich so dankbar für die Schöpfung, die ihren Gang geht und mich trägt – unabhängig von meinem Ergehen. Die Natur mit ihrer Ordnung ordnet auch mich. Das Aufblühen der Blumen und Sträucher ist veranschaulichte Osterbotschaft. Das Leben ist stärker. Es lässt sich nicht unterkriegen. Zur Fortsetzung...

Kennen Sie Tillmann Prüfer?

Kennen Sie Tillmann Prüfer? Sein Urgroßvater hätte ihn ganz ungeniert als „Zeitungshalunke“ bezeichnet. Prüfer ist ein deutscher Journalist. Seine Kolumnen im ZEITmagazin lese ich gern und wurde deshalb neugierig, als ich im letzten Herbst ein Buch von ihm auf dem Couchtisch meiner Schwie-gereltern entdeckt habe: „Der heilige Bruno – die unglaubliche Ge-schichte meines Urgroßvaters am Kilimandscharo“. Prüfer beschreibt darin das Leben seines Urgroßvaters Bruno Gutmann. Er war Missionar in Afrika, Prüfer begibt sich auf Spurensuche und kaspert quasi nebenbei sein Ver-hältnis zu Gott aus.

Und so geht es los: zur Fortsetzung

Bisher fand ich Zeitkapseln toll!

Bisher fand ich Zeitkapseln toll. Auf unserem Kirchturm haben wir zum Beispiel eine, die goldene Kugel unter dem Wetterhahn. Bei jeder Kirchenrenovierung werden dort Dokumente hineingelegt, die bei der nächsten Öffnung davon berichten, was die Menschen vor 50, 100 oder noch mehr Jahren bewegt hat.

In diesen Tagen kommt mir auch jede Andacht wie eine Zeitkapsel vor, aber damit verbinde ich gerade wenig Positives. Das, was Sie jetzt lesen, habe ich vor genau einer Woche geschrieben. Meine Gedanken mache ich mir zu Hause und vor der Tür spielen die Kinder, weil sie „Corona-Ferien“ haben. Ich habe es aufgegeben, nach Mehl Ausschau zu halten. In den meisten Geschäften brennt kein Licht mehr. Selbst unser Zweijähriger hat inzwischen verstanden, dass der Spielplatz geschlossen hat, aber die Gehwege noch geöffnet sind.

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