Karfreitag - das Kreuz hat sich quer gelegt

Es war ein spannender Prozess im Zuge der Innenrenovierung der Hochberger Schlosskirche zusammen mit unserem Steinmetz einen neuen Altar zu gestalten. Niemand hätte damit gerechnet, dass sich seine Botschaft so schnell und so aktuell auf die derzeitige Situation interpretieren lassen würde: Das Kreuz hat sich quer gelegt. Es steht eben nicht hochaufgerichtet als weithin sichtbares Zeichen, sondern bringt zum Ausdruck, wie viele von uns sich fühlen in diesen Tagen: Niedergedrückt - wie von einer schweren Last.

Die derzeitige Situation bestimmt unseren ganzen Alltag – das wird beim Altar dadurch symbolisiert, dass das Kreuz nicht nur vorne sichtbar ist, sondern den ganzen schweren Granitblock umschließt. Es ist auch nicht symmetrisch ausgerichtet oder wie die Architekten sagen, im Goldenen Schnitt gestaltet. Sondern es darf durch seine Unvollkommenheit uns daran erinnern, dass wir alle unvollkommen sind und unterschiedlich mit der derzeitigen Situation umgehen.

So feiern wir auch in diesem Jahr Karfreitag. Erinnern uns daran, wie Jesus seinen letzten Weg gehen musste, niedergedrückt wurde unter dem Kreuz, das er selbst tragen musste. Das Kreuz hat sich quer gelegt.

Am Ende dann wurde es hoch aufgerichtet auf Golgatha. Leiden wurde zur Schau gestellt. “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ klagt Jesus. Alles schien mit dem Tod Jesu am Kreuz zu Ende.

Wir als Christen heute leben davon, dass damit jedoch nicht das letzte Wort gesprochen war. Auf Karfreitag folgt Ostern. Das haben wir den Menschen zu Jesu Zeiten voraus.

Doch davor gilt es hindurch zu gehen, durch Karfreitag, nicht nur an diesem 10. April 2020. Es gab und gibt und wird weiterhin viele Karfreitage im Leben von uns Menschen geben. Immer wieder werden wir sagen: Das Kreuz hat sich quer gelegt.

Doch Karfreitag ist eben nicht das Ende.  

Die Bibel auf dem schweren Granitstein des Hochberger Altars erzählt jahrhundertealte Geschichten des Lebens und Glaubens. Sie erinnert uns daran, worauf sich unser Glaube gründet und worauf wir angewiesen sind: Auf Gottes unverrückbare Nähe und Standfestigkeit. Gerade dann, wenn unser Glaube in schweren Zeiten mal wieder angefochten sein mag oder ins Wanken kommt.

Mit Worten aus dem Lied Nr. 548 im Evangelischen Gesangbuch wünsche ich Ihnen einen Karfreitag, an dem Sie Gottes Nähe spüren mögen:

Kreuz, auf das ich schaue, steht als Zeichen da;
der dem ich vertraue, ist in dir mir nah.
Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit;
statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.
Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag,
bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.

Ihre Pfarrerin

Elke Goldmann, Hochberg