Andacht zu Gründonnerstag

Gebet zur Besinnung

Barmherziger Gott, in Jesus Christus bist du zu uns gekommen. Darum kommen wir zu dir. Du hältst uns bei unserer rechten Hand, darum sind wir geborgen. Du redest mit uns. Dein Wort ist Wahrheit und Leben. Öffne du uns Ohren und Herzen. Amen.

Lied: Korn das in die Erde, Strophe 1
(Evangelisches Gesangbuch, Nr. 98,1-3)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Impuls zu Johannes 13,1-20

Wir befinden uns am Vorabend von Karfreitag. Zum letzten Mal ist Jesus mit seinen Freunden zusammen. Er verbringt seine letzten, kostbaren Stunden mit ihnen, mit den Menschen, die er liebt, mit den Menschen, die ihn lieben. Jesus gönnt seinen Freunden eine Pause. Zusammen genießen sie ein Abendessen. Noch können sie nicht erahnen, was in den nächsten Stunden passieren wird, wie schnell alles gehen wird. Jesus selbst bereitet sie auf den schmerzlichen Abschied vor. Aus tiefer Liebe zu ihnen beugt er sich herab. Kniend wendet er sich jedem einzelnen zu. Wohltuendes Wasser lässt er über ihre Füße laufen – über jeden einzelnen Fuß. Es ist eine Geste des Abschieds, es ist eine Geste der Liebe. Jesus steht nicht über seinen Jüngern, macht sich nicht groß. Er, Gottes Sohn, bläst sich nicht auf, sondern er versteht es, sich zurückzunehmen, zu dienen. Diese stille Liebestat mag klein und unbedeutend erscheinen, doch sie ist der letzte Dienst, bevor ihm der Prozess gemacht wird. Er gibt in diesen letzten Stunden seinen Freunden das, was für ihn am wichtigsten ist: In seiner dienenden Zuwendung schenkt er ihnen seine hingebungsvolle Liebe. Er sagt zu ihnen und er sagt zu uns:

Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.“

Am Vorabend von Karfreitag können auch wir Jesu Beispiel folgen. Wir sind es gewohnt, an Gründonnerstag Brot und Wein zu teilen. Doch oft wird vergessen, dass Jesus auch die Füße seiner Jüngerinnen wusch. Im Gedenken daran können wir es wörtlich nehmen und uns heute Abend in der Familie gegenseitig die Füße waschen. Uns auf diese ungewohnte Weise liebevoll einander zuwenden, uns stärken für das, was kommen wird. Unser Liebesdienst kann auch eine andere Geste sein: Wir können einen lieben Menschen anrufen. Es kann guttun, jemanden in den Arm zu nehmen. Oder wir können eine Aufgabe übernehmen, vor der wir uns normalerweise drücken. Sie haben sicherlich kreative Einfälle. Indem wir Jesu Beispiel folgen und uns gegenseitig Liebe schenken, ist es letztlich Gott, der sich uns zuwendet. Gott zeigt sich inmitten unserer Liebe füreinander. „Denn Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4,18). Amen.

Lied: Korn das in die Erde, Strophe 2 und 3

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Segen

Gegenseitig sprechen wir uns den Segen Gottes zu:
Berge mögen einstürzen und Hügel wanken,
aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert
und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken.
Das verspreche ich, der Herr, der dich liebt!
Amen.

Ihre Vikarin

Ann-Kristin Scholl, Aldingen