Eine Aldinger „Mutmachgeschichte“

Landeskirchliche Prominenz und zahlreiche Pressevertreter fanden sich am 22. August (2018) zur Pressekonferenz in das Aldinger Gemeindehaus ein. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann ließ es sich nicht nehmen, persönlich der geladenen Presse von der erfolgreichen Integration des Aldinger Hausmeisters Thomas Fischer in den ersten Arbeitsmarkt zu berichten. Diese erfolgte vor allem mithilfe von spendenfinanzierten Maßnahmen des Diakonischen Werkes. Thomas Fischer ist seit dem 1. April festangestellter Messner und Hausmeister der Kirchengemeinde Aldingen.

„Arbeit gehört zum Menschen wie zum Vogel das Fliegen“ – mit diesem Luther zugeschriebenen Zitat eröffnete Oberkirchenrat Dieter Kaufmann die Pressekonferenz. „Das Fehlen von Arbeit macht nicht nur arm, das Fehlen macht Menschen krank und grenzt aus. Durch Arbeit verwirklichen und entfalten wir Gaben, die uns Gott geschenkt hat, bebauen und bewahren wir die uns anvertraute Schöpfung“ – diese Gedanken waren laut Kaufmann ausschlaggebend, dass die Diakonie im Jahr 2012 nicht länger zusehen wollte, wie Menschen, die durch Brüche, Lebenskrisen oder manchmal einfach nur durch Pech in eine längere Arbeitslosigkeit gerutscht sind, von der Politik abgeschrieben und ohne Fördermittel stehen gelassen werden.

Das Diakonische Werk beschloss, sich hier – auch politisch - einzumischen und  legte ein eigenes Förderprogramm mit  Beschäftigungsgutscheinen, ab 2017 mit so genannten  Teilhabegutscheinen auf. Die Landeskirche stellte viel Geld bereit: 1,5 Millionen Euro in der ersten Phase von 2012 bis 2016, 900.000 Euro in der Phase von 2017 bis 2020.

Die Idee: Kirchengemeinden können Zuschüsse beantragen, um Langzeitarbeitslose in ihrer Gemeinde zu beschäftigen und ihnen so einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Die Aldinger Kirchenpflegerin, Jutta Schmidt, las von dieser Idee und wusste sofort: Arbeit gibt es in der Kirchengemeinde genug, für die wir durchaus helfende Hände gebrauchen können. Da Thomas Fischer bereits als ehrenamtlicher Mitarbeiter bekannt war, entschloss sich der Kirchengemeinderat schnell, beim Diakonischen Werk einen entsprechenden Beschäftigungsgutschein zu beantragen.

Nur zwei andere Kirchengemeinden waren schneller – Aldingen war die dritte Gemeinde, die rasch und unbürokratisch Mittel erhielt, die es möglich machten, Herrn Thomas Fischer zunächst stundenweise anzustellen.

„Ein paar Fragen, ein zweiseitiges Formular, und Geld und Stelle waren bewilligt“, erzählt Pfarrer Jens Keil – und wirkt immer noch ein wenig erstaunt, wie einfach es war, über vier Jahre insgesamt rund 20.000 Euro Zuschuss zu erhalten.

Als „Mutmachgeschichte“ bezeichnet Kaufmann den Weg von Thomas Fischer. Er hat über die Teilhabegutscheine tatsächlich eine Arbeit gefunden, die ihm Freude macht und von der er inzwischen leben kann. Nach dreijähriger Arbeitslosigkeit ist er seit 2013 als Mesner und Hausmeister in der Evangelischen Kirchengemeinde Remseck-Aldingen tätig. Seine anfangs nur stundenweise Beschäftigung wurde immer mehr erweitert und nun ist er seit April 2018 tatsächlich wieder im ersten Arbeitsmarkt angekommen – fest angestellt, jetzt auch ohne Zuschüsse.
„Durch die Arbeit hat mein Tag endlich wieder Struktur bekommen. Ich bin froh, dass ich mein eigenes Geld verdiene und damit auch am sozialen Leben wieder teilhaben kann“, erzählt Thomas Fischer den anwesenden Journalisten.

Die Strategie der Diakonie ist aufgegangen: - in Aldingen, weil Herr Fischer immer stärker zeigen konnte, dass er seine Aufgaben gut und zuverlässig erledigte, und sich so das Vertrauen des Kirchengemeinderats erarbeitete, - in Deutschland, weil die Förderung von Langzeitarbeitslosen inzwischen auch den Weg in den neuen Koalitionsvertrag der Bundesregierung geschafft hat, wie Herr Kaufmann stolz erwähnt.

Die Aldinger Geschichte klinge wie ein Märchen, meinte eine der Journalistinnen – der Weg zum derzeitigen „happy end“ war allerdings nicht immer nur märchenhaft oder einfach.
Die Kirchengemeinde hielt auch zu Herrn Fischer, als er einen Rückfall in die Alkoholsucht erlitt. Die Therapie und einen persönlichen Neubeginn habe er auch Dank des Rückhalts der Kirchengemeinde geschafft, so Fischer. Pfarrer Jens Keil: „Auch wenn es zwischendurch schwierig war: Wir sind froh, Herrn Fischer als motivierten, zuverlässigen und engagierten Mitarbeiter zu haben."

Besonders bedankte sich Pfarrer Jens Keil auch bei der Stadt Remseck, die es Herrn Fischer, der sehr von Wohnungslosigkeit bedroht war,  ermöglicht hat, eine kleine Wohnung in der Kirchstraße anzumieten.

Christa Majer-Kachler und Jens Keil